Brustrekonstruktion nach Brustkrebs in Österreich: Kassenleistung, Brustgesundheitszentren und der Weg in Wien

Brustoperationen

Nach einer Brustkrebsdiagnose steht zunächst die Behandlung des Tumors im Vordergrund. Für viele Frauen kommt aber früh die Frage hinzu, wie die Brust nach einer Operation aussehen wird und ob sie wieder aufgebaut werden kann. In Österreich ist die Brustrekonstruktion nach einer Krebserkrankung ein medizinisch begründeter Eingriff und keine Schönheitsoperation. Das hat Folgen für die Kosten, für den rechtlichen Rahmen und für die Frage, wo der Eingriff stattfindet.

Dieser Beitrag erklärt, welche Formen der Rekonstruktion es gibt, wie die Kostenübernahme durch die Sozialversicherung grundsätzlich geregelt ist und wie der Weg in Wien typischerweise aussieht. Er ersetzt nicht das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam. Welche Methode zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Erkrankung, der Therapie und Ihren eigenen Wünschen ab.

Rekonstruktion ist Teil der Behandlung

Rechtlich und medizinisch gilt der Wiederaufbau der Brust nach einer Krebsoperation als Teil der Behandlung. Das österreichische Gesetz über ästhetische Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG) betrifft Eingriffe ohne medizinische Indikation. Eine Rekonstruktion nach Brustkrebs fällt daher nicht unter dessen besondere Regeln, etwa die Wartefrist zwischen Aufklärung und Eingriff bei rein ästhetischen Operationen. Für Sie bedeutet das: Die Planung folgt dem Ablauf der Krebstherapie, nicht dem einer Wunschoperation.

Ein Wiederaufbau ist allerdings kein Muss. Manche Frauen entscheiden sich bewusst dagegen und tragen eine Prothese im BH oder leben ohne Ausgleich. Auch das ist eine legitime Entscheidung, und eine gute Beratung stellt diese Möglichkeit gleichwertig dar.

Welche Formen der Brustrekonstruktion es gibt

Rekonstruktion mit Implantat

Beim Aufbau mit Implantat wird häufig zunächst ein Gewebeexpander eingesetzt, der Haut und Gewebe über Wochen schrittweise dehnt. Später wird er gegen ein dauerhaftes Implantat getauscht. In geeigneten Fällen kann das Implantat auch direkt bei der Brustentfernung eingesetzt werden. Diese Methode ist im Vergleich weniger aufwendig, eine vorangegangene Bestrahlung kann aber das Risiko für Komplikationen wie eine Kapselfibrose erhöhen.

Rekonstruktion mit Eigengewebe

Beim Eigengewebsaufbau wird Haut und Fettgewebe von einer anderen Körperstelle verwendet, häufig vom Unterbauch, manchmal vom Rücken, vom Gesäß oder von den Oberschenkeln. Je nach Technik wird das Gewebe frei verpflanzt und mikrochirurgisch an Blutgefäße angeschlossen. Der Eingriff ist länger und belastet auch die Entnahmestelle, das Ergebnis fühlt sich aber oft natürlicher an und verändert sich mit dem Körpergewicht mit.

Eigenfett und Kombinationen

Eigenfett, das an anderer Stelle abgesaugt wird, kann kleinere Dellen ausgleichen oder ein Implantat ergänzen. Nach einer brusterhaltenden Operation reicht manchmal eine solche Korrektur aus. Häufig werden mehrere Verfahren kombiniert, und die Rekonstruktion erstreckt sich über mehrere Eingriffe.

Brustwarze und Gegenseite

Zum Abschluss kann die Brustwarze aus Eigengewebe gebildet oder durch eine medizinische Tätowierung nachgeahmt werden. Oft wird außerdem die gesunde Brust angepasst, damit beide Seiten zueinander passen. Ob diese Angleichung in Ihrem Fall als Teil der Rekonstruktion übernommen wird, sollten Sie vorab klären.

Beratungsgespräch zur Brustrekonstruktion nach Brustkrebs in einer Wiener Klinik

Sofort oder später: der Zeitpunkt

Eine Sofortrekonstruktion erfolgt in derselben Operation wie die Brustentfernung. Viele Frauen empfinden es als Erleichterung, nicht ohne Brust aus der Narkose aufzuwachen. Bei einer späteren, sekundären Rekonstruktion wird erst nach Abschluss der Krebstherapie aufgebaut, manchmal Monate oder Jahre später. Das kann sinnvoll sein, wenn eine Bestrahlung geplant ist oder wenn Sie sich in der akuten Phase nicht auch noch mit dieser Entscheidung befassen möchten.

Die Entscheidung über den Zeitpunkt wird in zertifizierten Zentren im interdisziplinären Tumorboard mitbedacht, in dem Chirurgie, Onkologie, Radiologie und Strahlentherapie gemeinsam über die Behandlung beraten. Fragen Sie nach, ob Ihr Fall dort besprochen wurde und welche Empfehlung es zum Wiederaufbau gab.

Kosten und Sozialversicherung in Österreich

Als medizinisch notwendige Behandlung wird die Brustrekonstruktion nach Brustkrebs grundsätzlich von der Sozialversicherung getragen, wenn sie in einem öffentlichen Spital oder in einer Einrichtung mit Kassenvertrag durchgeführt wird. Das gilt im Allgemeinen auch für die Folgeeingriffe, die zum Wiederaufbau gehören. Im Einzelfall kann eine Bewilligung nötig sein, besonders bei späteren Korrekturen oder bei der Angleichung der Gegenseite. Ihr Behandlungsteam oder Ihr Versicherungsträger kann sagen, was in Ihrem Fall gilt. Allgemeine Informationen zur Kostenübernahme finden Sie im Beitrag zu ÖGK und Kostenübernahme bei der Brust-OP.

Wer eine Privatklinik oder einen bestimmten Wahlarzt wünscht, trägt einen Teil der Kosten selbst oder nutzt eine Zusatzversicherung. Wie Sonderklasse und Wahlarztrückerstattung funktionieren, erklären die Beiträge zur Privatversicherung und Sonderklasse und zur Wahlarzt-Honorarnote und Rückerstattung.

Der Weg in Wien

In Wien gibt es mehrere Brustgesundheitszentren an öffentlichen Spitälern, die nach österreichischen Qualitätskriterien zertifiziert sind. Dort werden Diagnose, Operation und Nachbehandlung koordiniert. Viele dieser Zentren arbeiten eng mit Abteilungen für Plastische Chirurgie zusammen oder haben eigene Spezialistinnen für den Wiederaufbau.

  • Fragen Sie schon vor der Krebsoperation nach einem Gespräch mit der plastischen Chirurgie, wenn eine Sofortrekonstruktion für Sie infrage kommt.
  • Lassen Sie sich die verschiedenen Methoden erklären, auch jene, die im jeweiligen Zentrum seltener durchgeführt werden.
  • Eine Zweitmeinung ist auch hier möglich und kann bei einer so weitreichenden Entscheidung sinnvoll sein. Hinweise dazu im Beitrag zur Zweitmeinung vor der Brust-OP.
  • Wenn Sie nach der Behandlung eine spätere Rekonstruktion wünschen, kann Ihre behandelnde Ärztin Sie an eine geeignete Abteilung überweisen.

Prophylaktische Operation bei erblichem Risiko

Frauen mit einer nachgewiesenen erblichen Belastung, etwa einer BRCA-Mutation, entscheiden sich manchmal für eine vorsorgliche Brustentfernung mit Wiederaufbau. Der Weg führt hier in der Regel über eine humangenetische Beratung und ein spezialisiertes Zentrum. Auch dieser Eingriff ist medizinisch begründet und unterscheidet sich klar von einer ästhetischen Operation.

Plastische Chirurgin erklärt die Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus am Modell

Nachsorge nach dem Wiederaufbau

Nach einer Rekonstruktion laufen zwei Arten von Kontrollen nebeneinander: die onkologische Nachsorge, die Ihr Brustgesundheitszentrum plant, und die Kontrolle des Wiederaufbaus selbst. Wurde ein Implantat verwendet, gehören regelmäßige Untersuchungen dazu, je nach Befund auch Ultraschall oder MRT. Bewahren Sie den Implantatausweis gut auf und bitten Sie darum, dass Operationsberichte und Befunde vollständig an Sie und Ihre Hausärztin gehen. Wie Befunde in der elektronischen Gesundheitsakte gespeichert werden, erklärt der Beitrag zu ELGA und Brust-OP.

Fragen für Ihr Gespräch mit dem Behandlungsteam

  • Ist bei mir eine Sofortrekonstruktion möglich, oder spricht etwas für einen späteren Aufbau?
  • Welche Methoden kommen für meinen Körper infrage, und welche Vor- und Nachteile haben sie?
  • Wie beeinflusst eine geplante Bestrahlung die Wahl der Methode?
  • Wie viele Eingriffe sind voraussichtlich nötig, bis die Rekonstruktion abgeschlossen ist?
  • Was übernimmt die Sozialversicherung, und wofür brauche ich eine Bewilligung?
  • Wer betreut mich in der Nachsorge, und wie werden Implantate später kontrolliert?

Begleitung bei Fragen zur Rekonstruktion

Viele Frauen kommen zu uns, wenn die Krebsbehandlung abgeschlossen ist und sie sich mit dem Wiederaufbau oder einer Korrektur beschäftigen möchten. Wir nehmen uns Zeit, Ihre bisherigen Befunde anzusehen, die Möglichkeiten zu erklären und mit Ihnen zu besprechen, welcher Weg im öffentlichen System und welcher privat infrage kommt. Bei Korrekturen nach einer früheren Rekonstruktion informiert die Seite zur Brustformkorrektur. Weitere Beiträge zu Kosten und Kassenleistungen finden Sie in der Kategorie Kosten und Beratung. Für ein Gespräch erreichen Sie uns über die Kontaktseite.

Ähnliche Artikel

Lassen Sie sich unverbindlich beraten

Wir nehmen uns ausreichend Zeit für Ihre individuellen Fragen und Wünsche.

Kostenlos anfragen